E Bike: Unterschied Dauerleistung & Maximalleistung / Spitzenwattabgabe 

Laut der rechtlichen Regelung in Deutschland muss die maximale Dauerleistung eines E Bikes / Pedelecs mit Motorunterstützung bis 25 km/h auf max. 250 W begrenzt sein. Was vielen Fahrern nicht bewusst ist: Die Maximalleistung (momentane Spitzenwattabgabe) kann aber dennoch deutlich höher liegen und ist faktisch in der EU auch nicht begrenzt.

Als Beispiel wäre der Bosch Classic E Bike Motor zu nennen, der auf 250 Watt max. Dauerleistung eingestuft ist, aber gleichzeitig eine Maximalleistung (Spitzenwattabgabe) von ca. 550 W erreichen kann.

Wir wissen, das hört sich etwas verwirrend an, und letztlich ist es das auch. Wir wollen an dieser Stelle einmal versuchen, die Begrifflichkeiten so einfach wie möglich darzustellen.

Zur Erklärung:

Als Dauerleistung (auch Stundenleistung) wird die Leistung bezeichnet, die ein Motor beliebig lang erbringen kann (ohne unzulässig zu heiß zu werden).

Als (maximale) Nenndauerleistung bezeichnet man die höchste Nutzleistung, die ein Motor in einem Zeitraum von 30 Minuten abgeben kann (Durchschnittswert bzw. Mittelwert der Leistung). Dabei darf der Temperaturanstieg einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Die Nenndauerleistung ist also ein Durchschnittswert.

Nun ist so, dass die maximale Spitzenleistung, auch momentane Maximalleistung oder maximale Spitzenwattabgabe genannt, bei E Bikes & Pedelecs in der EU gesetzlich unbegrenzt ist. Die augenblickliche Leistung eines Motors ist nicht begrenzt oder definiert.

Rechtlich maßgebend ist allein die höchste Nenndauerleistung, die unter Laborbedingungen über einen Zeitraumermittelt wurde. Laborbedingungen sind natürlich keine realen Bedingungen: Nässe, Kälte, Fahrtwind, Steigungen, Sprünge mit dem E Bike (also das Aussetzen des Motors während der Fahrt) wirken hier zusätzlich. Sie werden bestenfalls simuliert, allerdings immer nach den Vorgaben des Herstellers.

Tatsächlich haben die Hersteller bei der Ermittlung der maximalen Nenndauerleistung von 250 W Motoren also einen großen Ermessensspielraum.

Anmerkung: Eine Erläuterung mit weitergehenden technischen Details findet sich im Pedelecforum.de (hier).

Konsequenzen und Relevanz fürs E Bike Tuning

Die derzeitig gültige Rechtslage macht es also möglich, dass E Bike Motoren laut Herstellerangaben eine vorgegebene maximale Nenndauerleistung von 250 W haben, aber in der Realität mehr als das doppelte der maximalen Leistung aufweisen. Beispielsweise kann ein 250 W Bosch Performance Line CX Motor im Fahrbetrieb auf eine maximale Spitzenleistung von rund 850 W kommen. Dies ist natürlich auch relevant für E Bike Tuning Produkte, da häufig die Frage aufgeworfen wird, wie man mit einem 250 W Motor eigentlich motorunterstützte Geschwindigkeiten von 50 km/h (oder mehr) erreichen kann – dies ist in der Tat problemlos möglich, da die maximale Spitzenleistung im realen Fahrbetrieb weit höher liegen kann.

Praxistest von 7 E Bike Motoren

Interessant ist hier auch ein Artikel aus der „E-MTB“ Printausgabe 03/18 August – Oktober: „Motoren im Test: Welcher Antrieb besteht im Kampf gegen den Hitzekollaps? Was passiert, wenn man mit Vollgas vom Tal bis auf die Gipfel rauscht? Packen das die Motoren, oder gehen sie thermisch in die Knie? Sieben Antriebe im Extremtest.“ (Quelle: E-MTB)

Die Grundaussage des Tests: Die Durchschnittsleistung aller getesteten, sieben Antriebe im „Vollgas-Praxistest“ liegt bei 433 Watt über 28 Minuten (statt der geforderten 30 Minuten eine kleine Abweichung von 2 Minuten) – also weit über der offiziellen Nenndauerleistung von 250 Watt. (E-MTB 3/18, Seite 90 ff., „Motorleistung unter der Lupe“).

Das heißt, sieben Antriebe (der Marktanteil aller Hersteller der Antriebe dürfte in Deutschland über 90% liegen) haben im Durchschnitt im Praxistest bei langen, starken Steigungen und bei gleichzeitig hoher Hitzeentwicklung des Motors 73% mehr Dauernennleistung abgegeben als eigentlich gesetzlich erlaubt.

Unser hartes Ergebnis und die bittere Erkenntnis: Wenn was passiert, ist es egal, ob Dein E Bike getunt ist oder nicht. Der Händler hat Dir kein Pedelec verkauft ! Bitte wenden Sie sich bei Ansprüchen an den Hersteller !

Obige Aussage stimmt natürlich nur bedingt, da die Ermittlung der Dauernennleistung die Hersteller, wie eingangs beschrieben, selber bestimmen können. Daher wohl auch „Nenn“-Leistung, weil sie nach eigener Aufstellung von den Herstellern genannt wird. Also alles im Bereich des Erlaubten.

Tipp: Auf Akkuline.de (hier) könnt Ihr mittels Angabe von Volt (Spannung) und Ampere-Zahl (Strom) die maximale Wattleistung bzw. die elektrische Leistung ausrechnen (W/Wh). Bei der „elektrischen Leistung“ handelt es sich um die physikalische Größe, die die in einem bestimmten Zeitraum umgesetzte elektrische Energie definiert.

Weitere Fragen

Wenn man nun weiter vergleicht, was beispielsweise der Bosch Classic Motor 2013 für Leistungsdaten hatte (maximaler Drehmoment 50 Nm, 550 Watt Maximalleistung bei 250 Watt Nenndauerleistung) und diese mit den aktuellen Daten vom Bosch Performance CX Motor 2018 (maximaler Drehmoment 75 Nm, über 800 Watt Maximalleistung bei 250 Watt Nenndauerleistung) darf sich natürlich fragen „Wer tunt hier eigentlich zuerst“ ?

Anmerkung: Man könnte diesen Vergleich auch wunderbar mit Yamaha Powerdrive (PW, PW-X oder PW-SE) und Syncdrive Motoren vollziehen.

Wichtig: Umso schneller man an die 25 Km/h Grenze kommt, umso mehr wird die Begrenzung als unnötige Gummiwand wahrgenommen. Umso mehr Maximalleistung die Bikes haben, umso mehr ist die 25 Km/h Grenze störend.

Was ist bedeutsamer in der Verkehrswahrnehmung der einzelnen Verkehrsteilnehmer eines Pedelecs im Strassenverkehr ? A) Das der E Bike Fahrer es anstatt mit 8 Kurbelumdrehungen nun inzwischen mit 4 Kurbelumdrehungen auf 25 Km/h schafft ? oder B) ob die Endgeschwindigkeit bei 25 Km/h liegt oder etwa selbstgewählt werden kann, wie beim Auto ?

Letzte Erkenntnisse

Letztlich muß man ja noch immer selber treten:

WATT Treten + WATT Motor Maximalleistung = WATT Gesamt

Vergleicht man die Endgeschwindigkeit normaler Fahrradfahrer ohne Motor (sogenannte Biobiker), die es häufig ohne Probleme auf 30 Km/h schaffen und denen von Amateurrennradfahrern, die es locker auf Geschwindigkeiten von über 50 Km/h bringen, kommt man natürlich ins Grübeln über den Sinn der 25 Km/h Grenze. Vor allem weil viele Motoren im Betrieb über 25 Km/h nicht widerstandsfrei laufen.

Kurioserweise unterliegen Radfahrer ausserhalb von Ortschaften und ohne Tempobegrenzungen keinerlei Geschwindigkeitsbegrenzung. Sie können so schnell fahren wie Autos auf der Autobahn. Das gleiche sollte für Pedelecs und E Bikes mit Motorkraft gelten. Ein S-Pedelec wäre vielleicht eine Alternative, in der Realität wird sie nicht angenommen.

Wem die 25 Km/h zu viel sind, kann übrigens auch sein Pedelec bis auf 15 Km/h mit dem RedPed drosseln. Wie Sie Ihr E Bike sonst noch tunen können: Der Vergleich im E Bike Tuning Shop !